DIPLOMARBEIT

IMMER NOCH STURM

ODER VON ALTEN MUSTERN UND TRAGBAREN ERINNERUNGEN

ABSTRACT Ausgangspunkt dieser Diplomarbeit war die Auseinandersetzung mit Fotografien aus dem persönlichen Familienarchiv, die als visuelle Fragmente familiärer Erinnerung verstanden und als gestalterisches Ausgangsmaterial genutzt wurden. Die intensive Beschäftigung mit diesen Bildern führte zu einer experimentellen künstlerischen Annäherung an die Themen familiäre Erinnerung, Herkunft und Identität – mit der fotografischen Technik der Cyanotypie als zentrales künstlerisches Ausdrucksmittel. Dabei stand vor allem die Möglichkeit der Cyanotypie als experimentelles Textildruckverfahren im Vordergrund.

Die literarische Grundlage der Arbeit bildet primär Peter Handkes Immer noch Sturm, die die Auseinandersetzung mit familiärer Geschichte im Kontext historischer Brüche, insbesondere des Zweiten Weltkriegs, thematisiert. Handkes Werk lieferte nicht nur inhaltliche Impulse,sondern prägte auch die poetische und formale Herangehensweise an das Thema: die Beschäftigung mit den eigenen Vorfahren wurde zu einer dialogischen, künstlerischen Spurensuche zwischen Erinnerung und Gestaltung.

In Kombination mit einer intensiven Auseinandersetzung mit der Region des Burgenlandes, als geographischer Ursprung der eigenen Familiengeschichte und als kulturell vielschichtiger Ort zwischen Tradition und Veränderung entstand eine Textilmusterkollektion aus insgesamt acht Cyanotypien. Diese basieren auf Fotografien der eigenen Familienmitglieder und greifen in ihrer Gestaltung strukturelle und visuelle Prinzipien des traditionellen burgenländischen Blaudrucks auf. Jedes Muster ist einem der acht Geschwister der Familie Stuhl – den Kindern meiner Urgroßmutter – gewidmet und verbindet persönliche Erinnerung mit regionaler Textiltradition.

Aus der Musterkollektion wurde eine Kapselkollektion bestehend aus zehn Outfits entwickelt (fünf Damen-, fünf Herrenensembles), die die Umsetzung der Muster in tragbare, eigenständige Kleidungsstücke zeigt. Die Kollektion interpretiert Elemente der burgenländischen Tracht neu und übersetzt sie in einen zeitgenössischen Modekontext. Dadurch wird Erinnerung nicht nur sichtbar, sondern tragbar– als Ausdruck einer künstlerischen Auseinandersetzung mit Herkunft, Geschichte und Gestaltung.

ABSCHLUSS 04/07/2025
‍ ‍Diplomstudium Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und

Ausstellungsarchitektur, Universität Mozarteum, Salzburg


FOTOS Selina Schweiger

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